„Deutsch wird die Verkehrssprache“

Wl 1006 Dayioglu
Mustafa Dayioglu

Foto: Peter Grewer

Ist es für Sie als Vorsitzender der islamischen Ditib-Gemeinde Münster vorstellbar, dass Imame an deutschen Hochschulen ausgebildet werden?

Ja, das ist denkbar. Wichtiger ist, dass deutsch sprechende Islamlehrer ausgebildet werden und dass in den Moscheen mehr deutsch gesprochen wird. Auf viele meiner Landsleute trifft das derzeit nicht zu, aber die Enkel werden in einigen Jahren schon nicht mehr so viel Türkisch sprechen.

Was hat sich schon jetzt in den vergangenen Jahren in Ihrer Moschee verändert?

Wir haben damit angefangen, Teile der Gottesdienste ins Deutsche zu übertragen. Das kommt gut an und zeigt, dass die deutsche Sprache wichtiger wird. Sie verbindet die verschiedenen Nationalitäten, die in die Moschee kommen – „multikulti“ quasi.

Welchen Beitrag kann das Islam-Studium leisten, damit die Integrationsbemühungen in Deutschland mehr Früchte tragen?

Die Lehrkräfte, die durch das Studium ausgebildet werden, werden von den Muslimen als ein Teil der Gemeinde gesehen werden. Möglicherweise sind sie die Enkel der ersten Einwanderer-Generation. Wenn sie etwas sagen, hat das Kraft, wahrscheinlich sogar mehr Kraft, als wenn es von Leuten von außen – zum Beispiel mit einer Ausbildung in der Türkei – an die Gemeinden in Deutschland herangetragen wird. Die künftigen Lehrkräfte aus Deutschland mit muslimischem Hintergrund sind Teil dieser deutschen Gesellschaft. Mittelfristig wird Deutsch die Verkehrssprache werden, aber das Türkische wird es natürlich immer geben als das kulturell Verbindende, als unsere Tradition.

Quelle: http://www.uni-muenster.de/Rektorat/muz/2010/6-40.html

Juliane Albrecht

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