Ditib-Moschee: Ort der Ruhe

Ditib-Moschee: Ort der Ruhe

Münster – Draußen im Flur installiert ein Handwerker die Brandschutzanlage. Ein paar Kabel für Lampen ragen noch aus der Decke. Aber die neue Ditib-Moschee am Bremer Platz ist mit ihrer hohen Kuppel und den bunten Kacheln alltagstauglich. „Für islamische Verhältnisse ein schlichter Bau“, sagt Architekt Akif Kahveci, „man könnte sagen, eine Übergangsmoschee zwischen osmanischer und europäischer Kultur.“

Der 34-jährige Architekt, der die Planungen von seinem Kollegen Ünal Alpaslan aus Ahlen übernommen hat, gehört zur dritten Migranten-Generation. Geboren in Salzgitter, der Vater war Stahlarbeiter bei der Salzgitter AG. Aber er und seine drei Geschwister sind, sagt er nicht ohne Stolz, „alle Akademiker“.

Er gehört zu jener Generation, für die der Ditib-Verein den 500000-Euro-Ausbau in Angriff genommen hat. Die alte Moschee befand sich im Keller, die neue wurde in zwei Etagen aufs Dach gesetzt – mit einem Minarett und einer Kuppel. „Die Leute“, sagt der Architekt, „wollen heute Objekte haben, die ihren Ansprüchen entsprechen.“ Früher war das anders. Als sich die Islam-Gemeinden selbst als Gäste in Deutschland verstanden haben. Als sie glaubten, irgendwann kehre man sowieso zurück in die Türkei. „Da gingen sie in die Hinterhöfe“, schildert Kahveci, „da musste nichts investiert werden.“

Jetzt sitzt der Architekt, der zum ersten Mal eine Moschee geplant hat, in dem großen Gebetsraum, der mit einem weichen Teppich ausgelegt ist. Ringsherum bunte Fayence-Fliesen aus dem türkischen Kütahya mit Blumen- und Blütenmotiven.

Im Islam gab es in vielen Zeiten ein Darstellungsverbot von Menschen – als Ersatz entwickelte sich eine ausgefeilte Liebe zu Ornamenten. Und zu verschnörkelten Schriftzitaten aus dem Koran. „Manchmal schon etwas kitschig“, findet das der eher nüchterne Kahveci. Während in christlichen Kirchen Heiligenbilder die Wände zieren, sind es hier Suren oder der Name Allahs. Kahveci: „Allah, der Einzige, Unteilbare, der nicht gezeugt wurde und nicht gezeugt hat. Er ist kein Vater.“ In diesem Punkt unterscheide man sich vom christlichen Glauben.

Zum Ausbau gehören auch Tagungs- und Schulungsräume. Die Gemeinde will junge Menschen ansprechen, gerade dann, wenn sie Probleme haben: „Menschen, die keine Perspektive haben, die keine Beachtung finden – die muss man abfangen.“ Für sie sei die Moschee und die Gemeinde auch „ein Ort der Ruhe“.

Traditionell beten Männer und Frauen getrennt, die Frauen auf einer Empore. Mit mangelnder Gleichberechtigung, meint der Architekt, habe das nichts zu tun. Aber bei den Gebeten, auf dem Teppich kniend, mit Verbeugungen nach Mekka, komme man sich doch sehr nahe. Da möchte man nicht, dass Frauen dabei begafft würden.

Gab es in anderen Städten auch Proteste gegen Moscheen, blieb in Münster alles ruhig. Kahveci: „Wir kommen mit unseren Nachbarn gut aus – wir sind eine offene Gemeinde.“

Quelle: http://www.westfaelische-nachrichten.de/lokales/muenster/nachrichten/1323819_Ditib_Moschee_Ort_der_Ruhe.html

Comments are closed